Gisela Conrad

 Malerin und Grafikerin

Über die Arbeiten

„Auf den ersten Blick hat man ein Gefühl der Harmonie. Einer Harmonie, nach der die Malerin Gisela Conrad auf der Suche ist, und der Harmonie, die das Bild dann ausstrahlt. Aber eben nur auf den ersten Blick. Bei ihren früheren Arbeiten, die aus der Dynamik von Spannung und Entladung lebten, vom primären Rhythmus der Farben und Formen geprägt waren, scheint diese Komponente noch ausgeprägter zu sein. Bei Conrads neuen Bildern kommt die lange Zeit fast völlig verschwundene Figur wieder in Andeutungen hervor, traumhaft verändert zwar aber doch zumindest in Relikten erkennbar, Figur. Durchaus kann man hier auch von surrealen Elementen sprechen, Elementen jedenfalls, die nicht der Realität und nicht dem Tag, nicht der Zeit des Wachseins angehören. Daraufhin deutet auch, dass Gisela Conrad ihre Bilder meist nicht plant, sich also keine Motive „vornimmt“ oder bestimmte Themen angeht. Sicher gibt es eine gewisse Bildvorstellung, ein Gefühl, eine Assoziation, denn es geht hier auch mehr um die emotionale Wirkung als um das Motiv. Die Form entwickelt sich also erst im Prozess des Malens. Es ergibt sich eines aus dem anderen und so, wie in den früheren Arbeiten die organische Form dynamische Bewegung entstehen ließ, die Erinnerung an Landschaft, an organische Prozesse hervorrief, so entwickeln sich nun Teile von Figur, zusammengesetzt aus kristallin anmutenden, transparenten Formen, die sich zu einem Puzzle traumhafter Bewegung fügen. Die meist zarte Binnenzeichnung wird von einer entschlossenen Umrisszeichnung definiert, wie wenn die bisher ausgreifende Dynamik nun gebändigt werden sollte.

Die Harmonie in Gisela Conrads Bildern entsteht also nicht spontan, sondern sie geht hervor aus einer intensiven Auseinandersetzung mit den Formen, die sich durchaus nicht leicht und wie von selbst zueinander fügen. Doch wenn die richtige Form gefunden ist, dann setzt sie sich zur vorhergehenden zwingend in Beziehung. Und das scheint die Harmonie zu sein, die im Umgang mit dem Leben entsteht, entsprechend der Haltung, zu der man finden muss, und wenn man Maler ist, eben im Bild. Der Weg dahin ist noch erahnbar, es ist ein Weg durch innere Unruhe.

Die Papierarbeiten sind fließender und spontaner und haben den Reiz japanischer Pinselzeichnungen. Sie erscheinen leichthändig aufs Papier gesetzt, jedes Blatt ein Wurf aus einem Guss.

Die Bezeichnung „Aquarell“ mag für diese Blätter etwas irreführend sein; sie haben weniger das Gefüge des Aquarells als mehr den Charakter der schnellen Zeichnung. Sie sind leise, mehr andeutend als ausführend, und scheinen mehr von innen geleitet zu sein. Gerade dadurch rufen sie sehr intensive Vorstellungen beim Betrachter hervor. Bei aller Leichtigkeit, die manchmal geradezu schwebend ist, haben sie Körper, Form, sind Menschliches, Tierisches, geschöpft aus dem Gedanken. Mag sein, dass in ihnen sich eine Freiheit zeigt, die Gisela Conrad sich in den letzten Jahren neu erkämpfen musste“.
(Ines Kohl)

 


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